Altreifen entsorgen
Altreifen entsorgen Sie am einfachsten dort, wo Sie die neuen kaufen: Händler und Werkstätten nehmen die alten für 2 bis 5 Euro je Reifen zurück. In den Hausmüll gehören Reifen nie. Wir zeigen Wege und Kosten, die Bußgelder je Bundesland und was aus dem Gummi wird.
Ein Altreifen ist kein gewöhnlicher Müll, sondern ein überwachter Stoffstrom, und genau so müssen Sie ihn behandeln.
Montagmorgen vor dem Hoftor von Jens Albrecht in Augsburg: vier Reifen auf Felge, ordentlich gestapelt, darauf ein Zettel mit „Bitte entsorgen, danke“. Es ist nicht der erste Stapel in diesem Jahr. Wer so spart, gewinnt im besten Fall 20 Euro Entsorgungsgebühr und riskiert, dass die Ordnungsbehörde hinschaut: In Bayern liegt der Rahmen bei bis zu fünf Reifen zwischen 110 und 330 Euro. Wer Reifen kauft, kauft ihre Entsorgung mit, und sie steckt entweder im Montagepreis oder steht als eigene Zeile auf der Rechnung.
Altreifen entsorgen beim Händler: der übliche Weg
Reifenhändler und Werkstätten nehmen Altreifen beim Neukauf zurück. Die Gebühr liegt bei 2 bis 5 Euro je Reifen und steckt oft schon im Montagepreis. Ohne Neukauf nehmen viele Betriebe die alten Reifen ebenfalls an, dann gegen eine eigene Gebühr von bis zu etwa 12 Euro je nach Betrieb und Region.
Das ist der bequemste Weg, weil Reifen und Felgen ohnehin in der Werkstatt liegen. Ob die Entsorgung im Preis steckt, steht im Angebot oder auf der Rechnung, und wer online bestellt hat, klärt es mit dem Montagepartner, bevor die Reifen dort ankommen. Albrecht rechnet die Entsorgung deshalb als eigene Zeile aus, damit der Kunde nicht überrascht wird: bei vier Reifen sind das 8 bis 20 Euro.
Unser Rat ist eindeutig: Geben Sie die alten Reifen bei der Montage ab. Die 2 bis 5 Euro je Reifen sind die günstigste Rechtssicherheit, die es gibt, und der Fachbetrieb übernimmt Sammlung, Dokumentation und Weitergabe an zugelassene Verwerter. Der Weg zum Wertstoffhof lohnt nur, wenn die Gemeinde ein Freikontingent einräumt oder die Kosten bei großen Mengen niedriger liegen als beim Händler.
Altreifen entsorgen am Wertstoffhof und bei der Kommune
Kommunale Wertstoffhöfe nehmen Altreifen unter Bedingungen an, meist gegen Gebühr und mit Mengenbegrenzung. Die Preise legen die Kommunen selbst fest, deshalb unterscheiden sie sich stark. Rufen Sie vorher an, ob und in welcher Menge der Hof annimmt, und fragen Sie, ob Reifen mit Felge getrennt abgerechnet werden.
| Weg | Kosten | Hinweis |
|---|---|---|
| Händler oder Werkstatt beim Neukauf | 2 bis 5 Euro je Reifen | oft im Montagepreis enthalten |
| Händler oder Werkstatt ohne Neukauf | bis etwa 12 Euro je Reifen | vorab nachfragen |
| Wertstoffhof Köln | 7,14 Euro je Reifen | laut ADAC |
| Wertstoffhof Magdeburg | 4 Euro mit Felge, 3 Euro ohne | laut ADAC |
| Wertstoffhof Nürnberg | bis zu 10 Reifen für Einwohner frei | laut ADAC |
| Zertifizierte Entsorgungsfachbetriebe | nach Vereinbarung | Nachweis möglich |
Für die Abgabe haben sich vier Schritte bewährt:
- Anzahl der Reifen zählen und festhalten, ob sie mit oder ohne Felge kommen.
- Annahmestelle anrufen, Gebühr, Menge und Öffnungszeiten klären.
- Reifen frei von Fremdstoffen anliefern, also ohne Radkappen und ohne Müll im Reifeninneren.
- Quittung mitnehmen und aufbewahren.
Noch ein Hinweis zum Verkaufswert. Komplette Räder lassen sich verkaufen, wenn das Profil deutlich über der gesetzlichen Grenze von 1,6 mm liegt. Der ADAC empfiehlt, Sommerreifen ab 3 mm und Winter- sowie Ganzjahresreifen ab 4 mm zu wechseln; ein Satz mit 6 mm Restprofil findet Abnehmer, einer mit 2,5 mm nicht. Wer das Profil vorab nach dem Beitrag zum Reifenprofil misst, kann die Räder realistisch bewerten: Alufelgen haben oft einen eigenen Wert, auch wenn der Reifen am Ende ist.
Das Gesetz: kein Hausmüll, Bußgelder je Bundesland
Altreifen dürfen nicht in den Hausmüll, nicht verbrannt und nicht vergraben werden. Nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz gelten sie als überwachungsbedürftiger Abfall: Transport, Lagerung und Verwertung sind meldepflichtig, und Entsorger brauchen eine behördliche Zulassung. Im europäischen Abfallverzeichnis tragen Altreifen den Schlüssel 16 01 03, und diese Nummer steht auch auf dem Entsorgungsnachweis, den ein Verwerter ausstellt. Dr. Henrik Lange, Ingenieur für Fahrzeugtechnik, formuliert es so: „Ein Altreifen ist kein gewöhnlicher Müll, sondern ein überwachter Stoffstrom, und genau so müssen Sie ihn behandeln.“
Wer Reifen illegal abstellt, zahlt ein Bußgeld, das die Länder festlegen. Der ADAC listet die Rahmen je Bundesland, hier sechs Beispiele für bis zu fünf Reifen.
| Bundesland | Bußgeld bis zu fünf Reifen |
|---|---|
| Brandenburg | 30 bis 200 Euro |
| Sachsen | 70 bis 250 Euro |
| Bayern | 110 bis 330 Euro |
| Berlin | 350 bis 800 Euro |
| Niedersachsen | 80 bis 1.000 Euro |
| Hamburg | 200 Euro je Reifen |
Bei mehr als fünf Reifen steigen die Rahmen deutlich, in Niedersachsen laut ADAC auf bis zu 25.000 Euro. Die Zahlen zeigen, wie wenig sich das Abstellen am Waldrand rechnet, selbst wenn ein einzelner Fall glimpflich endet.
Was aus dem Reifen wird: Recycling
In Deutschland fallen laut ADAC jedes Jahr zwischen 500.000 und 600.000 Tonnen Altreifen an; der Wirtschaftsverband wdk nennt für 2024 rund 533.000 Tonnen. Etwa zwei Drittel werden stofflich verwertet. Dabei zerkleinern Anlagen die Reifen auf wenige Zentimeter, trennen Gummi, Textilfasern und Stahl und verarbeiten das Gummi zu Granulat und Gummimehl. Es landet unter anderem in Sportböden und Fallschutzplatten.
Rund ein Drittel wird thermisch verwertet, vor allem in Zementwerken. Der Reifen ersetzt dort fossile Brennstoffe, und der Stahlanteil geht in den Zementklinker ein. Das ist keine Entsorgung im Sinn von Verbrennen auf dem Acker, sondern ein geregelter Prozess in genehmigten Anlagen. Für Granulat als lose Füllung auf Kunstrasenplätzen hat die EU mit der Verordnung (EU) 2023/2055 das Inverkehrbringen beschränkt; für Sportanlagen gilt eine Übergangsfrist von acht Jahren. Die Pyrolyse, die Reifen unter Luftabschluss bei hoher Temperatur in Öl, Ruß und Stahl zerlegt, steckt noch in den Anfängen: Ihre Kapazitäten liegen laut ingenieur.de im niedrigen fünfstelligen Tonnenbereich und damit weit unter den 533.000 Tonnen, die jährlich anfallen.
Runderneuerung: die zweite Karriere
Ein kleiner Teil der Altreifen bekommt eine neue Lauffläche. Der ADAC beziffert die Menge auf rund 24.000 Tonnen im Jahr, überwiegend Nutzfahrzeugreifen. Bei der Runderneuerung prüft der Betrieb die Karkasse, raut die alte Lauffläche ab und bringt eine neue auf. Die Industrie kennt zwei Verfahren: Beim Kaltverfahren wird ein vorvulkanisierter Laufstreifen aufgeklebt und im Autoklaven ausgehärtet, beim Heißverfahren wird unvulkanisierter Gummi in einer beheizten Form aufgepresst. Nur ein intaktes Gerüst taugt dafür, deshalb wird nur ein Teil der Reifen angenommen.
Für Pkw-Reifen ist die Runderneuerung in Deutschland ein Nischenmarkt. Nach Angaben des ADAC liegt ihr Anteil am Ersatzgeschäft wohl unter einem Prozent. Wer sie sucht, fragt einen Fachbetrieb nach dem Verfahren und der Herkunft der Karkasse. Für den Alltag bleibt der Neureifen die praktische Antwort.
Wann der nächste Satz fällig ist, hängt vom Fahrzeug ab. Bei schweren Fahrzeugen mit viel Drehmoment, etwa den Reifen für Volvo XC60 oder den Reifen für Tesla Model 3, fällt der Wechsel tendenziell früher an als bei einem leichten Kleinwagen. Der Laufleistungs-Rechner zeigt für Ihre Profiltiefe, in wie vielen Monaten der Satz bei 3 mm ankommt.
Bis dahin lagern Sie die zweiten Räder nach der Anleitung unter Reifen lagern. Was Rücknahme, Montage und Wuchten zusammen kosten, steht in der Übersicht zu den Reifenservice-Kosten, und weitere Handgriffe finden Sie in der Reifenpflege.
Häufige Fragen
Was kostet es, Altreifen zu entsorgen?
Beim Neukauf nehmen Händler und Werkstätten Altreifen für 2 bis 5 Euro je Reifen zurück, oft ist der Betrag im Montagepreis enthalten. Ohne Neukauf liegt die Gebühr je nach Betrieb bei bis zu etwa 12 Euro. Kommunale Wertstoffhöfe verlangen Gebühren von 3 bis 8 Euro je Reifen, in manchen Städten gibt es ein Freikontingent.
Darf man Altreifen in den Hausmüll werfen?
Nein. Altreifen zählen nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz zu den überwachungsbedürftigen Abfällen. Sie gehören weder in die Restmülltonne noch in den Sperrmüll, und Verbrennen oder Vergraben ist ausdrücklich verboten. Annahmestellen sind Reifenhändler, Werkstätten, kommunale Wertstoffhöfe und zertifizierte Entsorgungsbetriebe, jeweils meist gegen eine kleine Gebühr.
Welches Bußgeld droht bei illegaler Entsorgung von Reifen?
Das regeln die Bundesländer, die Spanne ist weit. Bei bis zu fünf Reifen nennt der ADAC 30 bis 200 Euro in Brandenburg, 110 bis 330 Euro in Bayern und bis zu 1.000 Euro in Niedersachsen. In Hamburg sind es 200 Euro je Reifen. Bei größeren Mengen steigen die Rahmen deutlich.
Was passiert mit den Altreifen?
Etwa zwei Drittel werden stofflich verwertet: Sie werden zerkleinert, Gummi, Textil und Stahl getrennt, das Granulat weiterverarbeitet. Rund ein Drittel wird thermisch verwertet, vor allem als Brennstoff in Zementwerken. Ein kleiner Teil geht in die Runderneuerung, überwiegend bei Lkw-Reifen, nur selten bei Pkw.
Lassen sich Altreifen mit Profil noch verkaufen?
Ja, komplette Räder lassen sich verkaufen, wenn die Reifen noch deutlich über 1,6 mm Profil haben. Der ADAC empfiehlt mindestens 3 mm bei Sommerreifen und 4 mm bei Winter- und Ganzjahresreifen. Die Felgen haben oft einen eigenen Wert, besonders Alufelgen.
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