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Reifendruck-Rechner

Der Reifendruck-Rechner liefert einen Richtwert in bar, abgeleitet aus Fahrzeugklasse, Beladung und Autobahntempo. Er ersetzt nicht die Angabe des Herstellers, sondern prüft sie gegen oder springt ein, wenn sie fehlt. Dazu erfahren Sie, wie Sie den Druck so messen, dass die Zahl am Manometer stimmt.

Von Katrin Seiler, geprüft von Dr. Henrik Lange. Lesezeit 4 Minuten. Stand: Oktober 2026

Reifendruck-Rechner

Richtwert nach Fahrzeugklasse, Beladung und Fahrprofil. Die Angabe des Herstellers im Tankdeckel oder am Türholm geht immer vor.

Der Sollwert steht im Türrahmen. Der Rechner ist für den Fall da, dass er dort nicht mehr lesbar ist oder die Reifengröße gewechselt hat.

An einem Aprilmorgen rollt ein Kombi in die Werkstatt von Jens Albrecht in Augsburg, Räderwechsel nach dem Winter. Albrecht misst nach, bevor er montiert: 1,7 bar hinten links, 2,0 bar vorn rechts, Soll laut Türrahmen 2,4 bar. Der Fahrer hatte seit dem Herbst nicht kontrolliert. So viel Abweichung baut sich über Monate auf, ohne dass es im Fahrgefühl auffällt. Der Rechner unten gibt Ihnen einen Richtwert, wenn die Herstellerangabe fehlt oder Sie sie gegenprüfen wollen.

Reifendruck berechnen: die drei Stellschrauben

Der Rechner geht in drei Schritten vor. Zuerst wählen Sie die Fahrzeugklasse, vom Kleinwagen bis zum Van, denn Gewicht und Reifengröße legen den Ausgangswert fest. Dann geben Sie die Beladung an und zuletzt, ob Sie länger mit hohem Tempo auf der Autobahn unterwegs sind. Heraus kommt ein Richtwert in bar, kein Messwert und keine Freigabe.

SituationZuschlag auf den Normalwert
Normalbetrieb, ein bis zwei Personenkein Zuschlag
Volle Beladung, Urlaubsgepäck0,2 bis 0,4 bar
Dauertempo über 160 km/h0,2 bis 0,3 bar
Beladung und Autobahn zusammenVolllast-Wert des Herstellers, nie über dem Maximaldruck der Flanke

Dr. Lange legt Wert auf die Reihenfolge: erst der Herstellerwert, dann der Rechner. Die Zuschläge sind Faustwerte für den Fall, dass keine Tabelle vorliegt, und keine Ersatzvorschrift.

Die Herstellerangabe geht vor

Der Sollwert steht auf einem Aufkleber an der B-Säule oder im Türrahmen, bei vielen Fahrzeugen zusätzlich in der Tankklappe, außerdem in der Betriebsanleitung. Die Tabelle unterscheidet meist nach Reifengröße und nach Beladung. Wechseln Sie von 17 auf 18 Zoll, gilt die Zeile der neuen Größe. Elektroautos tragen das Batteriegewicht und verlangen häufig höhere Werte als der vergleichbare Verbrenner. Ein Notrad hat in der Regel einen eigenen, höheren Wert, der in derselben Tabelle steht. Schwere Fahrzeuge reagieren stärker: Bei einem SUV wie dem Tiguan liegt der Wert für die Hinterachse mit Familiengepäck spürbar über dem Solobetrieb, die Serienwerte je Generation stehen bei den Reifen für VW Tiguan. Normalwerte nach Fahrzeugklasse und eine Tabelle zum Nachschlagen finden Sie unter Reifendruck.

Richtig messen: kalt heißt kalt

Ein Reifen verliert auch ohne Defekt bis zu 0,1 bar im Monat, und die Temperatur schiebt den Wert zusätzlich: etwa 0,1 bar je 10 Grad. Wer in der Garage bei 20 Grad auf 2,4 bar einstellt, fährt draußen bei null Grad mit knapp 2,2 bar. Gemessen wird kalt, das heißt nach mindestens zwei Stunden Stillstand oder nach höchstens drei Kilometern in mäßigem Tempo. Direkt nach einer Autobahnfahrt zeigt der Reifen 0,3 bis 0,5 bar zu viel an. Lassen Sie dann keine Luft ab, sonst steht der Reifen am nächsten Morgen zu weich. Schrauben Sie die Ventilkappen danach wieder auf, sie halten Schmutz aus dem Ventil.

Zu wenig, zu viel: was falscher Druck anrichtet

Zu wenig Druck verformt die Flanke stärker, der Reifen walkt und erwärmt sich, der Rollwiderstand steigt und mit ihm der Verbrauch. An den Schultern entsteht Verschleiß, und bei hohem Tempo wächst das Risiko eines Reifenschadens. Zu viel Druck verkleinert die Aufstandsfläche: Der Reifen läuft in der Mitte ab, der Komfort sinkt, und auf nasser Fahrbahn lässt der Grip nach. Die Angabe auf der Flanke, etwa „Max. Press. 350 kPa“, also 3,5 bar, ist eine Obergrenze für den Reifen und kein Sollwert für Ihr Auto.

RDKS und Rückstellung nach der Druckänderung

Das Reifendruckkontrollsystem ist seit dem 1. November 2014 in allen neu zugelassenen Pkw Pflicht. Es warnt aber erst bei etwa 20 Prozent Druckverlust; bei 2,4 bar sind das rund 1,9 bar. Ein indirektes System, das über die ABS-Sensoren rechnet, müssen Sie nach jeder Druckänderung im Bordmenü zurücksetzen, direkte Sensoren im Ventil melden den Wert selbst. Was beim Wechsel von Ventilen und Sensoren zu beachten ist, steht bei der Reifenmontage.

Häufige Fragen

Welchen Reifendruck brauche ich bei voller Beladung?

Den Volllast-Wert aus der Tabelle im Türrahmen, in der Tankklappe oder der Betriebsanleitung. Fehlt er, rechnen Sie 0,2 bis 0,4 bar auf den Normalwert, höchstens bis zum Maximaldruck auf der Reifenflanke. Nach der Fahrt gehen Sie wieder auf den Normalwert zurück.

Warum zeigt der Reifen nach der Fahrt mehr Druck an?

Die Luft erwärmt sich und dehnt sich aus. Nach einer Autobahnfahrt liegt der Wert 0,3 bis 0,5 bar höher. Lassen Sie keine Luft ab, sondern messen Sie kalt: nach mindestens zwei Stunden Stillstand oder nach höchstens drei Kilometern Fahrt in mäßigem Tempo.

Muss ich den Reifendruck bei Kälte anpassen?

Die Faustregel lautet 0,1 bar je 10 Grad Temperaturunterschied. Haben Sie den Druck in der warmen Garage eingestellt, fällt er draußen bei null Grad um etwa 0,2 bar. Kontrollieren Sie deshalb beim ersten Frost und bringen Sie den Druck wieder auf den Herstellerwert.

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