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Reifenwechsel selbst machen

Den Reifenwechsel selbst machen heißt in der Regel, die kompletten Räder abzunehmen und gegen den Saisonsatz zu tauschen. Das gelingt mit Wagenheber, Unterstellbock und Drehmomentschlüssel auf ebenem Grund. Wir zeigen Werkzeug und Anleitung in 10 Schritten, nennen das Drehmoment von 110 bis 140 Nm und die Fehler, die wir am häufigsten sehen.

Von Katrin Seiler, geprüft von Dr. Henrik Lange. Lesezeit 9 Minuten. Stand: Oktober 2026

Rad mit Alufelge an einem aufgebockten Pkw, daneben Drehmomentschlüssel und Unterlegkeil auf dem Garagenboden

Der Wagenheber hebt das Auto an, der Unterstellbock trägt es. Wer unter ein Fahrzeug greift, das nur auf dem Heber steht, riskiert viel.

Reifenwechsel selbst machen: was zu Hause geht

Der Saisonwechsel zu Hause bedeutet, dass Sie komplette Räder, also Reifen auf Felgen, abnehmen und den anderen Satz montieren. Den Reifen von der Felge zu ziehen, gelingt ohne Montiermaschine nicht sinnvoll, das übernimmt die Werkstatt. Ein Radwechsel dagegen ist mit dem richtigen Werkzeug Handarbeit für eine Stunde.

Wann gewechselt wird, bestimmt das Wetter, nicht der Kalender. Die situative Winterreifenpflicht nach § 2 Abs. 3a StVO verlangt winterliche Bereifung bei Glätte, Schnee, Matsch, Eis- oder Reifglätte, einen festen Stichtag gibt es nicht. Als Faustregel gilt die Zeit von Oktober bis Ostern, als Temperaturmarke etwa 7 Grad Celsius. Beides sind Orientierungen und keine Gesetze.

Die Ersparnis ist real. Der ADAC rechnet in einem Beitrag vom 20. März 2026 für den Räderwechsel in der Werkstatt mit „100 Euro Kosten und mehr“, die eigene Rechnung der Redaktion lag bei 107,12 Euro. Preise ab 50 Euro gibt es weiterhin, aber die Spanne ist weit. Wer zwei Sätze Reifen auf Felgen besitzt, spart pro Jahr zwei Termine. Die Voraussetzung ist ein fester, ebener Platz und die Bereitschaft, einmal zu investieren: Ein Drehmomentschlüssel kostet weniger als ein Werkstattbesuch.

Das Werkzeug

Für den Radwechsel brauchen Sie sieben Dinge: Wagenheber, Unterstellbock, Drehmomentschlüssel, Steckschlüssel in passender Weite, Unterlegkeile, eine Drahtbürste und Handschuhe. Das Bordwerkzeug des Herstellers reicht für die Panne, nicht für den regelmäßigen Wechsel.

WerkzeugZweckHinweis
RangierwagenheberFahrzeug anhebenTragkraft zum Fahrzeuggewicht wählen
UnterstellbockFahrzeug sichernträgt das Auto, der Wagenheber nicht
DrehmomentschlüsselRadschrauben anziehenKlick-Typ, Bereich bis etwa 200 Nm
SteckschlüsselRadschrauben lösenSchlüsselweite 17, 19 oder 21 mm
UnterlegkeileWegrollen verhindernzwei Stück, an den Rädern am Boden
DrahtbürsteAnlageflächen reinigenRost und Bremsstaub von Nabe und Felge
Handschuhe, WarnwesteSchutzauch in der eigenen Einfahrt sinnvoll

Beim Heber trennt sich die Sicherheit vom Komfort. Der Scherenwagenheber aus dem Bordwerkzeug ist für die Panne am Straßenrand gedacht und steht auf einem kleinen Fuß. Zu Hause arbeiten Sie besser mit einem hydraulischen Rangierwagenheber, der breit steht und gleichmäßig hebt. Er gehört an die vom Hersteller markierte Aufnahme am Schweller, nicht an Querlenker, Ölwanne oder Unterbodenverkleidung. Ein Unterstellbock ersetzt den Wagenheber nicht, er ergänzt ihn: Er fängt das Fahrzeug auf, falls der Heber nachgibt. Dr. Henrik Lange, Ingenieur für Fahrzeugtechnik, sagt es knapp: „Der Wagenheber hebt das Auto an, der Unterstellbock trägt es. Wer unter ein Fahrzeug greift, das nur auf dem Heber steht, riskiert viel.“

Einen Schlagschrauber können Sie zum Lösen verwenden, zum Anziehen nicht ohne Drehmomentstab. Wir halten einen Klick-Schlüssel für die beste Investition: Er knackt, wenn der eingestellte Wert erreicht ist, und lässt sich im Handschuh bedienen. Lagern Sie ihn auf der niedrigsten Einstellung, damit die Feder nicht ermüdet.

Reifenwechsel selbst machen: die Anleitung in 10 Schritten

Der Ablauf ist bei jedem Fahrzeug derselbe, nur die Hebepunkte und das Drehmoment unterscheiden sich. Lesen Sie beides vorher im Bordbuch nach.

  1. Platz wählen: Fester, ebener Untergrund, Asphalt oder Beton. Kein Kies, kein Rasen, keine Schräge. Handbremse anziehen, ersten Gang einlegen oder Parkstellung wählen.
  2. Räder sichern: Unterlegkeile an ein Rad, das am Boden bleibt, auf der gegenüberliegenden Fahrzeugseite.
  3. Schrauben anlösen: Radzierblende abnehmen, die Radschrauben eine halbe Umdrehung lösen, solange das Rad noch Bodenkontakt hat.
  4. Fahrzeug anheben: Wagenheber an der markierten Aufnahme am Schweller ansetzen, anheben, bis das Rad frei dreht. Unterstellbock an der vorgesehenen Stelle unterschieben.
  5. Rad abnehmen: Schrauben ganz herausdrehen, Rad abziehen, Schrauben sauber ablegen.
  6. Nabe reinigen: Mit der Drahtbürste Rost und Bremsstaub von Nabe und Anlagefläche entfernen. Gewinde trocken und fettfrei lassen, wenn der Hersteller nichts anderes vorschreibt.
  7. Neues Rad aufsetzen: Laufrichtung und Seite beachten, das Rad zentrieren und über die Nabe schieben.
  8. Schrauben ansetzen: Von Hand eindrehen, dann über Kreuz leicht festziehen.
  9. Fahrzeug ablassen: Bock entfernen, Wagenheber ablassen. Dann die Schrauben über Kreuz mit dem Drehmomentschlüssel auf den Herstellerwert bringen.
  10. Druck und RDKS: Reifendruck prüfen und anpassen, das Reifendruck-Kontrollsystem zurücksetzen, nach 50 bis 100 Kilometern nachziehen.

Beim Saisonwechsel lohnt ein Blick auf die Positionen. Nicht laufrichtungsgebundene Reifen lassen sich über Kreuz tauschen, laufrichtungsgebundene nur auf derselben Fahrzeugseite von vorn nach hinten. So verschleißen die Reifen gleichmäßiger, und der Satz hält länger. Notieren Sie sich dafür, welches Rad wo saß.

Was bei Schritt 7 gern passiert: Das Rad hängt schief auf der Nabe, die Schrauben greifen im falschen Winkel, und der Fahrer merkt es erst beim Ablassen. Ein Zentrierbolzen, der eine der Schrauben ersetzt, führt das Rad sauber auf die Nabe. Er kostet wenige Euro.

Drehmoment und Nachziehen

Je nach Hersteller liegt das Drehmoment der Radschrauben zwischen 110 und 140 Nm, den genauen Wert nennt das Bordbuch. Ziehen Sie die Schrauben über Kreuz an, in zwei Durchgängen, und nach 50 bis 100 Kilometern prüfen Sie nach.

Zu hoch ist nicht besser. Bei einem Wert über der Vorgabe dehnt sich die Schraube, die Bremsscheibe kann sich verziehen, bei Alufelgen können Risse an den Lochkanten entstehen. Zu niedrig lässt die Schraube sich lösen, das Rad bekommt Spiel und schlägt die Aufnahme aus. Weil die Hersteller streuen, helfen Merkregeln nicht. Schon bei zwei Kompakten wie dem Ford Focus und dem Toyota Corolla stehen unterschiedliche Vorgaben in der Betriebsanleitung. Auf den Modellseiten finden Sie Größen und Hinweise zu den Reifen für Ford Focus und den Reifen für Toyota Corolla, den Drehmomentwert für Ihr Fahrzeug liefern aber die Betriebsanleitung oder eine Herstellerdatenbank.

Der Schlüssel arbeitet nur, wenn er richtig geführt wird. Stellen Sie den Wert an der Skala ein, setzen Sie den Steckschlüssel gerade auf die Schraube und ziehen Sie gleichmäßig, ohne zu ruckeln. Sobald es klickt, hören Sie auf, ein zweiter Zug über den Klick hinaus erhöht das Moment. Schrauben, die Sie von Hand angesetzt haben, dürfen sich dabei nicht verkanten.

Beim Nachziehen setzen Sie den Schlüssel auf jede Schraube und prüfen, ob es klickt. Klickt es sofort, sitzt sie fest. Dreht sie sich weiter, ziehen Sie sie wieder auf den Sollwert. Der Hintergrund ist einfach: Beim ersten Fahren setzen sich Auflageflächen und Lack, und die Schraubenvorspannung sinkt. Eine gesetzliche Pflicht zum Nachziehen gibt es nicht, im Schadenfall mit gelöstem Rad stellt sich aber schnell die Haftungsfrage.

Nach dem Wechsel: Inspektion, Druck und RDKS

Der Wechsel ist auch die beste Gelegenheit für eine Inspektion. Messen Sie die Profiltiefe an drei Stellen quer über die Lauffläche, lesen Sie die DOT-Nummer ab und suchen Sie Risse in der Flanke, Beulen und eingefahrene Fremdkörper. Wir empfehlen, Sommerreifen bei 3 und Winterreifen bei 4 Millimetern zu ersetzen, die gesetzliche Grenze liegt bei 1,6 Millimetern (§ 36 StVZO). Sind Sie unsicher, nehmen Sie ein Foto der Flanke mit in die Werkstatt.

Nach dem Wechsel gehört der Luftdruck auf den Prüfstand. Ein Satz, der monatelang im Keller stand, hat meist Luft verloren. Stellen Sie den Druck auf den Wert des Türrahmenaufklebers ein, bei Beladung mit dem Zuschlag laut Tabelle. Eine Orientierung nach Fahrzeugklasse liefert der Reifendruck-Rechner, maßgeblich bleibt der Aufkleber. Danach setzen Sie das RDKS zurück: Beim indirekten System geschieht das per Knopf oder im Bordmenü, beim direkten melden die Sensoren ihre neue Position meist nach kurzer Fahrt. Sind Sensoren getauscht oder die Räder anders zugeordnet, braucht es ein Anlernwerkzeug.

Typische Fehler

Die häufigsten Fehler sind ein falsch angesetzter Wagenheber, ein überdrehtes Rad und vergessenes Nachziehen. Dazu kommt ein weicher Untergrund, der beim Anheben unter dem Heber nachgibt.

Eine Leserin aus Rosenheim schilderte uns, wie sie ihr Fahrzeug im Hof auf Kies angehoben hatte. Der Heber sank beim Abschrauben langsam ein, der Wagen kam ins Rutschen, sie konnte ihn gerade noch festhalten. Die Folge war ein verbogener Schweller. Ein Stück Hartholz oder eine feste Platte unter dem Heber hätte genügt. „Jeder Heber braucht eine breite Fläche unter sich“, sagt Albrecht, Werkstattmeister in Augsburg. „Auf Kies bekommen Sie sie nicht.“

Ein häufig übersehener Punkt betrifft die Schrauben selbst. Radschrauben gibt es mit Konus-, Kugelbund- und Flachbundsitz, und sie müssen zur Felge passen. Stahlfelgen und Alufelgen verlangen oft unterschiedliche Typen, und Schrauben aus dem einen Satz dürfen nicht an den anderen. Wer Felgenschlösser verwendet, legt den Spezialadapter vorher bereit, denn ohne ihn steht der Wechsel still, bevor er begonnen hat.

Weitere Fehler im Überblick:

  • Der Wagenheber sitzt am Unterboden statt an der Schwelleraufnahme und beschädigt Leitungen oder Verkleidung.
  • Radschrauben werden mit Schlagschrauber auf Anschlag gezogen, der Schlüssel kommt gar nicht zum Einsatz.
  • Die Radnabe bleibt schmutzig, das Rad sitzt nicht plan und lockert sich.
  • Laufrichtungsgebundene Reifen sitzen verkehrt herum auf dem Rad.
  • Der Druck wird nicht angepasst, obwohl der Satz monatelang im Keller stand.

Wann die Werkstatt besser ist

Eigenarbeit endet, wo das Werkzeug fehlt oder das Risiko wächst. Reifen auf Felgen ziehen, Räder wuchten und Sensoren anlernen sind Werkstattarbeit. Dasselbe gilt für Räder, die festgerostet sind, und für Fahrzeuge, bei denen Sie die Hebepunkte nicht sicher kennen.

Konkret gehört der Wechsel in die Werkstatt, wenn:

  • der Reifen von der Felge muss, etwa beim Tausch nach Verschleiß oder Reparatur,
  • das Rad nach dem Bordsteinkontakt vibriert und gewuchtet werden muss,
  • ein Elektroauto angehoben wird, dessen Akku im Unterboden sitzt,
  • die Räder mit direktem RDKS neu angelernt werden müssen,
  • Sie keinen ebenen, festen Platz haben.

Nach der Saison geht es um die Lagerung. Wie Sie die ausgebauten Räder aufbewahren, beschreibt der Beitrag zu Reifen lagern. Was Sie nicht selbst erledigen, übernimmt die Werkstatt: Ablauf und Kosten der Reifenmontage stehen in einem eigenen Beitrag, ebenso die Frage, wann sich Reifen wuchten lohnt. Alles, was danach in die Werkstatt gehört, listet der Bereich Reifenservice.

Häufige Fragen

Welches Drehmoment gilt für die Radschrauben?

Je nach Hersteller liegt der Wert meist zwischen 110 und 140 Nm. Maßgeblich ist die Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs, nicht eine Tabelle aus dem Netz. Ein zu hohes Drehmoment kann die Bremsscheibe verformen und Alufelgen schädigen, ein zu niedriges lässt Schrauben sich lösen. Ziehen Sie immer mit Drehmomentschlüssel nach.

Wann muss ich die Radschrauben nachziehen?

Nach 50 bis 100 Kilometern. Prüfen Sie dann mit dem Drehmomentschlüssel, ob alle Radschrauben noch das vorgeschriebene Drehmoment haben. Eine gesetzliche Pflicht gibt es nicht, die Empfehlung gilt aber für jeden Radwechsel. Bei Alufelgen lohnt eine zweite Kontrolle nach der ersten längeren Fahrt.

Darf ich Winterreifen auf der Straße selbst wechseln?

Im Pannenfall ja, mit Warnweste und Warndreieck. Planmäßig wechseln Sie besser in der eigenen Einfahrt oder Garage, auf festem, ebenem Grund. Auf der Straße gefährden Sie sich und andere. Nutzen Sie dafür lieber einen festen, ebenen Platz abseits des Verkehrs, auch wenn es nur die Einfahrt ist.

Brauche ich nach dem Radwechsel neu gewuchtete Räder?

Nicht zwingend. Waren die Räder bei der letzten Montage gewuchtet, das Profil gleichmäßig und die Felgen unbeschädigt, genügt der einfache Radwechsel. Nach einer Reifenreparatur, einem Bordsteinkontakt oder bei spürbaren Vibrationen gehört das Rad zum Wuchten in die Werkstatt, der einfache Wechsel bleibt trotzdem ohne Montiermaschine möglich.

Muss ich nach dem Wechsel das RDKS anlernen?

Bei indirektem RDKS setzen Sie das System nach dem Einstellen des Drucks per Knopf oder Menü zurück. Direkte Systeme melden bei gleichen Sensoren meist von selbst nach kurzer Fahrt die neue Position. Wurden Sensoren getauscht oder Räder anders zugeordnet, braucht es ein Anlernwerkzeug oder die Werkstatt.

Dazu passt