reifen.fr

EU-Reifenlabel

Das EU-Reifenlabel gilt seit dem 1. Mai 2021 nach der Verordnung (EU) 2020/740 und bewertet Pkw-Reifen in drei Disziplinen: Rollwiderstand und Nasshaftung in den Klassen A bis E, das Außengeräusch in Dezibel. Wir erklären die Grenzwerte, die Piktogramme und die Lücken.

Von Katrin Seiler, geprüft von Dr. Henrik Lange. Lesezeit 9 Minuten. Stand: Oktober 2026

EU-Reifenlabel mit Klassen für Kraftstoffeffizienz, Nasshaftung und Rollgeräusch auf der Lauffläche eines Pkw-Reifens

Das Label sagt Ihnen, wie ein Reifen in drei Disziplinen abschneidet. Über Haltbarkeit und Fahrverhalten sagt es nichts.

Was auf dem EU-Reifenlabel steht

Das EU-Reifenlabel nennt für Pkw-Reifen der Klasse C1 drei Messwerte: Kraftstoffeffizienz und Nasshaftung in den Klassen A bis E sowie das externe Rollgeräusch in Dezibel samt Klasse A, B oder C. Hinzu kommen Piktogramme für den Schneegriff und, bei einzelnen Winterreifen, für den Eisgriff.

Der Aufkleber sitzt auf der Lauffläche und verschwindet meist auf den ersten hundert Metern, denn der Asphalt schmirgelt ihn ab. Jens Albrecht, der in Augsburg einen Reifenfachbetrieb führt, hat sich deshalb angewöhnt, jedes Etikett vor der Montage mit dem Handy zu fotografieren und an den Auftrag zu hängen. „Im Januar ruft ein Kunde an und will wissen, welche Nasshaftung seine Sommerreifen hatten“, sagt er. „Ohne Foto schaue ich dann in die Datenbank.“ Das Etikett ist ein Dokument für den Kauf, nicht für den Alltag am Auto.

Rechtsgrundlage ist die Verordnung (EU) 2020/740, die seit dem 1. Mai 2021 gilt und die Verordnung (EG) Nr. 1222/2009 ersetzt. Sie erfasst Pkw-Reifen (C1), Reifen für leichte Nutzfahrzeuge (C2) und für schwere Nutzfahrzeuge (C3). Ausgenommen sind unter anderem runderneuerte Reifen, Spikereifen, Oldtimerreifen und reine Rennreifen. Aus sieben Klassen wurden fünf, F und G entfallen, und jedes Reifenmodell bekommt sein eigenes Etikett. Händler zeigen das Label am Verkaufsort und in jedem Online-Angebot, und wer ein Modell neu auf den Markt bringt, registriert es in der Produktdatenbank EPREL.

Kraftstoffeffizienz und Nasshaftung: die Klassen im Detail

Klasse A bedeutet bei Pkw-Reifen einen Rollwiderstandsbeiwert von höchstens 6,5 N/kN, Klasse E von mindestens 10,6. Bei der Nasshaftung entscheidet der Nasshaftungsindex G: Klasse A beginnt bei 1,55, Klasse E endet bei 1,09. Die Werte stehen in Anhang I der Verordnung.

KlasseRollwiderstand (N/kN)Nasshaftungsindex G
Abis 6,5ab 1,55
B6,6 bis 7,71,40 bis 1,54
C7,8 bis 9,01,25 bis 1,39
D9,1 bis 10,51,10 bis 1,24
Eab 10,6bis 1,09

Der Rollwiderstandsbeiwert gibt an, wie viel Newton Widerstand ein Reifen je Kilonewton Radlast aufbaut. Gemessen wird er auf einem Trommelprüfstand nach ISO 28580. Je kleiner die Zahl, desto weniger Energie verschwindet beim Walken von Flanke und Lauffläche in Wärme. Der Nasshaftungsindex vergleicht die Bremsleistung auf nasser Fahrbahn mit einem Referenzreifen. Der Bremsweg verhält sich ungefähr umgekehrt zum Index, und daraus ergibt sich eine Rechnung, die auf keinem Etikett steht: Zwischen 1,55 und 1,09 liegt ein Verhältnis von 1,42, der Bremsweg schrumpft rechnerisch um rund 30 Prozent. Dasselbe gilt innerhalb einer Klasse. Klasse B reicht von 1,40 bis 1,54, zwei Reifen mit demselben Buchstaben können sich also um etwa zehn Prozent im Bremsweg unterscheiden.

Deshalb verstehen wir die Buchstaben als Sortierhilfe und nicht als Rangliste. Ein Reifen am oberen Rand von B bremst besser als einer am unteren Rand von A, und das Etikett verrät es nicht. Die genauen Zahlen liefert die Datenbank, mehr dazu weiter unten im Abschnitt zu EPREL.

Rollgeräusch: Dezibel statt Wellen

Das Rollgeräusch erscheint als Messwert in dB(A) und als Klasse A, B oder C. Klasse A liegt mehr als 3 dB unter dem geltenden Grenzwert der Typgenehmigung, Klasse B bis zu 3 dB darunter, Klasse C darüber. Gemessen wird das Vorbeifahrgeräusch außen, nach UN-Regelung Nr. 117. Der Grenzwert hängt von der Reifenbreite ab, breitere Reifen dürfen lauter sein. Ein „A“ bei einem schmalen Reifen bedeutet deshalb einen anderen Dezibelwert als ein „A“ bei einem breiten.

Drei Dezibel bedeuten die halbe Schallenergie und sind gerade eben hörbar. Über das Wageninnere sagt die Zahl wenig. Dr. Henrik Lange, Ingenieur für Fahrzeugtechnik, formuliert es so: „Das Etikett schützt die Anwohner. Wie laut es in Ihrem Auto wird, hängt vom Fahrbahnbelag, von der Dämmung und von der Reifenbreite ab.“ Zwei Reifen mit demselben Außenwert können im Innenraum verschieden klingen, besonders auf grobem Asphalt. Wer Ruhe sucht, liest deshalb Tests mit Innenraummessung. Die Zahl auf dem Etikett taugt für die Vorauswahl, nicht für die Kaufentscheidung.

Schneegriff und Eisgriff: zwei Piktogramme

Das Bergsymbol mit Schneeflocke bestätigt, dass der Reifen die Schneegriff-Prüfung nach UN-Regelung Nr. 117 besteht. Es entspricht dem Alpine-Symbol (3PMSF) auf der Flanke. Seit dem 1. Oktober 2024 gilt nur dieses Symbol für die situative Winterreifenpflicht nach § 2 Abs. 3a StVO, die Kennzeichnung M+S allein genügt nicht mehr. Was bei Glätte, Schnee und Matsch gilt und mit welchem Bußgeld Sie rechnen müssen, steht in unserem Beitrag zu Winterreifen.

Auch Ganzjahresreifen tragen das Symbol, sobald sie die Mindestwerte erreichen. Mehr als diese Schwelle bestätigt das Piktogramm nicht: Es sagt, dass der Reifen im Schnee ausreichend greift, nicht wie viel besser ein reiner Winterreifen ist. Die Unterschiede innerhalb der Kategorie zeigen erst Tests.

Das zweite Piktogramm, der Eisgriff, ist neu und freiwillig. Es erscheint nur auf ausgewählten Pkw-Winterreifen, meist skandinavischer Bauart, die auf Eis geprüft wurden. Sie sind für lange, sehr kalte Winter entwickelt. Auf nasser oder milder Fahrbahn können solche Reifen bei Nasshaftung, Handling und Verschleiß schwächer abschneiden. Für Flachland und Mittelgebirge ist das Symbol entbehrlich.

EPREL: der QR-Code hinter dem Etikett

Jedes Reifenmodell mit Label ist in der Europäischen Produktdatenbank für Energieverbrauchskennzeichnung (EPREL) registriert. Der QR-Code auf dem Etikett führt zum Datenblatt mit Lieferant, Typbezeichnung, Größe, beiden Klassen, dem Dezibelwert und den Piktogrammen. Sie finden es auch über die Website eprel.ec.europa.eu.

In der Praxis hilft das aus zwei Gründen. Das Datenblatt ersetzt den abgezogenen Aufkleber, und es zeigt, ob ein Online-Angebot zum Reifen passt: Stimmen Typbezeichnung und Größe nicht überein, ist das Angebot fehlerhaft oder der Händler hat Modelle verwechselt. Prüfen Sie die Größe außerdem anhand der Reifenkennzeichnung auf der Flanke, denn Lastindex und Geschwindigkeitsindex stehen nicht auf dem Etikett.

Was das Reifenlabel nicht zeigt

Das Label sagt nichts über Trockenbremsen, Handling, Aquaplaning, Komfort, Verschleiß und Laufleistung. Gerade der Verschleiß ist heikel, denn Rollwiderstand, Nasshaftung und Haltbarkeit stehen in einem Zielkonflikt, den die Hersteller über die Gummimischung zu lösen versuchen. Ein Reifen mit Klasse A beim Rollwiderstand kann schneller abgefahren sein als einer mit Klasse C.

Auf dem Etikett fehlen im Einzelnen:

  • Bremsweg und Lenkverhalten auf trockener Straße
  • Aquaplaning in Längs- und Querrichtung
  • Abrieb und Laufleistung
  • Geräusch und Komfort im Innenraum
  • das Alter des Reifens, das nur die DOT-Nummer verrät

Der Hersteller stuft sein Modell außerdem selbst ein, geprüft wird an Neureifen. Wie sich Nasshaftung und Rollwiderstand nach 30.000 Kilometern oder fünf Jahren Alterung entwickeln, zeigt das Etikett nicht. Die Zahlen sind vergleichbar, weil alle nach derselben Methode messen, aber sie decken nur einen Ausschnitt ab. Dr. Lange sagt dazu: „Das Label sagt Ihnen, wie ein Reifen in drei Disziplinen abschneidet. Über Haltbarkeit und Fahrverhalten sagt es nichts.“ Wir empfehlen, vor dem Kauf ein bis zwei aktuelle, unabhängige Tests zu lesen und das Etikett als Filter zu benutzen: Nasshaftung B oder besser, danach entscheidet der Test.

Was eine Klasse über 50.000 Kilometer kostet

Als Faustwert kostet jede Rollwiderstandsklasse etwa 0,1 Liter auf 100 Kilometer. Über 50.000 Kilometer sind das 50 Liter, bei 2,00 Euro je Liter also 100 Euro pro Klasse. Zwischen A und E liegen vier Klassen und damit rechnerisch 400 Euro. Das ist eine Annahme, kein Messwert des Labels, und sie hängt von Fahrzeug, Tempo und Profil ab.

KlassenunterschiedMehrverbrauch auf 50.000 kmMehrkosten bei 2,00 Euro je Liter
1 Klasse (zum Beispiel C zu B)50 Liter100 Euro
2 Klassen100 Liter200 Euro
3 Klassen150 Liter300 Euro
4 Klassen (A zu E)200 Liter400 Euro

Daraus folgt eine einfache Grenze: Kostet ein Satz mit einer besseren Klasse weniger als 100 Euro Aufpreis, also 25 Euro pro Reifen, rechnet er sich über 50.000 Kilometer. Bei 36 Euro Aufpreis für vier Reifen ist die Gewinnschwelle schon nach 18.000 Kilometern erreicht. Umgekehrt lohnt sich ein sehr teurer Reifen allein wegen der Spritklasse selten. Auch das Fahrprofil verschiebt die Rechnung. Auf der Autobahn schrumpft der Effekt, weil der Luftwiderstand mit dem Quadrat des Tempos wächst und der Reifen einen kleineren Anteil am Verbrauch hat. Im Stadtverkehr und auf der Landstraße wirkt der Rollwiderstand stärker. Elektroautos profitieren über die Reichweite statt über den Literpreis, die Größenordnung bleibt ähnlich.

Mit Ihrem eigenen Literpreis und Ihrer Jahresfahrleistung rechnet der Reifenlabel-Rechner. Welche Größen und Reifenarten für Ihr Modell zugelassen sind, steht auf den Modellseiten, etwa bei den Reifen für VW Golf und den Reifen für Toyota Corolla. Die Klasse hängt immer am Reifenmodell, nicht am Auto. Wer Reifen nach dem Etikett aussucht, vergleicht Prüfstandsergebnisse, und die sind nur so gut wie die Frage, die man ihnen stellt.

Für den Kauf genügt eine kurze Reihenfolge:

  1. Größe, Lastindex und Geschwindigkeitsindex aus den Papieren prüfen.
  2. Nasshaftung B oder besser wählen.
  3. Rollwiderstand und Aufpreis gegeneinander rechnen.
  4. Bei Winterreifen auf das Alpine-Symbol achten.
  5. Das Modell in EPREL gegenprüfen und das Etikett fotografieren.

Wie Mischung, Aufbau und Kennzeichnung zusammenspielen, erklärt die gesamte Reifentechnik.

Häufige Fragen

Seit wann gilt das neue EU-Reifenlabel?

Das Label nach der Verordnung (EU) 2020/740 gilt seit dem 1. Mai 2021 in allen EU-Staaten. Es löst die Verordnung (EG) Nr. 1222/2009 mit sieben Klassen von A bis G ab. Neu sind die Skala von A bis E, der QR-Code zur Produktdatenbank EPREL und die Piktogramme für Schnee- und Eisgriff.

Welche Rollwiderstandsklasse ist gut?

Klasse A und B gelten als sparsam. Bei Pkw-Reifen steht A für einen Rollwiderstandsbeiwert von höchstens 6,5 N/kN, B für 6,6 bis 7,7. Als Faustwert kostet jede Klasse weniger rund 0,1 Liter auf 100 Kilometer. Wichtiger als die Spritklasse bleibt eine gute Nasshaftung.

Zeigt das Label den Bremsweg auf trockener Straße?

Nein. Gemessen werden nur Rollwiderstand, Nasshaftung und das Außengeräusch, dazu kommen Schnee- und Eisgriff als Symbole. Trockenbremsen, Handling, Aquaplaning, Verschleiß und Laufleistung fehlen auf dem Etikett. Diese Eigenschaften erfahren Sie nur aus unabhängigen Reifentests mit nachvollziehbarer Methode, am besten aus mehreren.

Was bedeutet das Eisgriff-Symbol auf dem Label?

Das Piktogramm zeigt, dass ein Winterreifen die Mindestwerte beim Eisgriff erreicht. Es steht nur auf ausgewählten Pkw-Winterreifen, meist skandinavischer Bauart. Auf nasser, milder Fahrbahn können solche Reifen schwächer abschneiden. Für mitteleuropäische Winter genügt in der Regel ein Reifen mit Alpine-Symbol.

Wo finde ich die Daten meines Reifens in EPREL?

Scannen Sie den QR-Code auf dem Label oder suchen Sie auf eprel.ec.europa.eu nach Hersteller und Typbezeichnung. Das Datenblatt nennt Größe, beide Klassen, den Messwert in Dezibel und die Angaben zu Schnee- und Eisgriff. Online-Händler müssen das Label außerdem direkt am Angebot anzeigen.

Dazu passt