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Winterreifen

Winterreifen sind in Deutschland keine Frage des Datums, sondern der Wetterlage: § 2 Abs. 3a StVO verlangt sie bei Schnee, Matsch, Eis und Reifglätte, und seit dem 1. Oktober 2024 zählt nur noch das Alpine-Symbol. Wir erklären Bußgelder, Profiltiefe, Felgen und die Regeln für Österreich, die Schweiz und Italien.

Von Katrin Seiler, geprüft von Dr. Henrik Lange. Lesezeit 9 Minuten. Stand: Oktober 2026

Winterreifen mit Alpine-Symbol auf der Flanke vor einer verschneiten Landstraße

Auf der Flanke zählt seit Oktober 2024 nur noch ein Zeichen: die Schneeflocke vor dem dreizackigen Berg.

Am Samstag, dem 28. September 2024, ging Katrin Seiler mit der Taschenlampe in die Tiefgarage und las die Flanken ihrer Winterreifen ab. M+S stand darauf, dazu der DOT-Code 3516: Produktionswoche 35 im Jahr 2016. Ein Alpine-Symbol fehlte. Ab Dienstag, dem 1. Oktober, wäre dieser Satz kein zulässiger Winterreifen mehr gewesen, die Zeit reichte gerade noch für eine Bestellung am selben Abend. Die Lektüre dauert zwei Minuten, und sie lohnt für jeden, der ältere Räder im Keller hat.

Unter allen Themen rund um Reifen ist die Winterbereifung dasjenige, bei dem Recht, Technik und Haftung am dichtesten zusammenliegen. Wir ordnen es der Reihe nach: Pflicht, Kennzeichnung, Bußgeld, Verschleiß, Felgen und Ausland.

Winterreifenpflicht 2026: Was § 2 Abs. 3a StVO verlangt

In Deutschland gilt keine Winterreifenpflicht nach Kalender, sondern eine situative: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darf ein Kraftfahrzeug nur mit Winterreifen fahren. Rechtsgrundlage ist § 2 Abs. 3a StVO. Maßgeblich ist die Wetterlage am Fahrtort, nicht der Stichtag.

Entscheidend sind die Zustände der Fahrbahn, nicht die Lufttemperatur. Eine bloß nasse Straße bei 3 Grad zählt für sich genommen nicht dazu, ein schattiges Waldstück mit überfrierender Nässe sehr wohl, und genau diese Stellen liegen auf dem Weg zur Arbeit häufiger, als man denkt. Es genügt, dass die Verhältnisse auf der Strecke winterlich sind, nicht am Startort.

Die Faustregel von Oktober bis Ostern ist ein Hilfsmittel, mehr nicht. Schneematsch gibt es in München auch im November, und wer um sechs Uhr früh bei Reifglätte über eine Brücke fährt, steht bereits in der Pflicht. Verantwortlich ist der Fahrer, und der Halter ebenfalls, wenn er die Fahrt anordnet oder zulässt. Wir empfehlen Winterreifen von November bis März als Standard und früher, sobald die Temperaturen dauerhaft unter 7 Grad Celsius liegen, die Gründe stehen im Beitrag zu Sommerreifen.

Ein Winterreifen ist genau genommen kein Schneereifen, sondern ein Kältereifen. Seine Mischung bleibt unterhalb von 7 Grad elastisch, seine Lamellen greifen in Schnee wie in nassen Asphalt. Continental beziffert den Mehrweg eines Sommerreifens auf leicht verschneiter Straße auf sechs Fahrzeuglängen. Auf trockener, kalter Fahrbahn fällt der Unterschied kleiner aus, aber er ist messbar, und im Herbst zeigt er sich beim Bremsen an der Ampel.

Das Alpine-Symbol: Warum M+S nicht mehr reicht

Als Winterreifen gilt in Deutschland seit dem 1. Oktober 2024 nur noch ein Reifen mit Alpine-Symbol, dem Bergpiktogramm mit Schneeflocke (3PMSF). Die reine M+S-Kennzeichnung genügt nicht mehr. Das Symbol belegt, dass der Reifen einen Schneegrifftest nach UN-R 117 bestanden hat.

Der Unterschied liegt in der Beweislast. M+S bezeichnet eine Profilbauart, die der Hersteller selbst erklärt, ohne vorgeschriebene Leistungsprüfung auf Schnee. Für das Alpine-Symbol muss der Reifen auf Schnee gegen einen Referenzreifen antreten und einen Schneegriffigkeitsindex von mindestens 1,07 erreichen. „Das Alpine-Symbol ist kein Marketing, es ist ein Prüfergebnis. Der Reifen hat auf Schnee gegen einen Referenzreifen gebremst und musste mindestens sieben Prozent besser abschneiden“, sagt Dr. Henrik Lange, Ingenieur Fahrzeugtechnik und Herausgeber dieses Magazins.

Viele Winterreifen tragen beide Zeichen, M+S und das Alpine-Symbol nebeneinander. Das ist unproblematisch, entscheidend ist das Bergpiktogramm. Neu produzierte Winterreifen müssen es seit dem 1. Januar 2018 tragen. Für Reifen, die nur M+S trugen und bis zum 31. Dezember 2017 hergestellt wurden, lief eine Übergangsfrist bis zum 30. September 2024. Ob Ihr Satz noch zulässig ist, klärt eine kurze Kontrolle mit der Taschenlampe. Auf der Flanke zählt seit Oktober 2024 nur noch ein Zeichen: die Schneeflocke vor dem dreizackigen Berg. Der DOT-Code nennt mit den letzten vier Ziffern Woche und Jahr der Herstellung. Auch Ganzjahresreifen erfüllen die Pflicht nur mit diesem Zeichen. Welche Modelle das erreichen, klärt der Beitrag zu Ganzjahresreifen.

Bußgeld ohne Winterreifen: 60 bis 120 Euro und ein Punkt

Wer bei winterlichen Verhältnissen ohne Winterreifen fährt, zahlt 60 Euro und erhält einen Punkt in Flensburg. Behindert er andere, sind es 80 Euro, bei Gefährdung 100 Euro, bei einem Unfall 120 Euro. Der Halter, der die Fahrt anordnet oder zulässt, zahlt 75 Euro.

VerstoßBußgeldPunkte
Fahrt ohne Winterreifen bei winterlichen Verhältnissen60 Euro1
Fahrt ohne Winterreifen, dabei Behinderung anderer80 Euro1
Fahrt ohne Winterreifen, dabei Gefährdung anderer100 Euro1
Fahrt ohne Winterreifen, dabei Unfall120 Euro1
Halter ordnet die Fahrt an oder lässt sie zu75 Euro1

Der Punkt landet im Fahreignungsregister in Flensburg, bei acht Punkten wird die Fahrerlaubnis entzogen. Zum Bußgeld kommen bei einem Bescheid Gebühren und Auslagen, Presseberichte nennen dafür 28,50 Euro. Die eigentliche Rechnung steht aber woanders. Bei einem Unfall auf Schnee kann der Versicherer Mithaftung einwenden oder Leistungen kürzen, und dann geht es um den Schaden und seine Verteilung, nicht um 60 Euro. Wir halten das für das stärkste Argument für einen sauberen Radsatz, stärker als jede Strafandrohung.

Profiltiefe, Alter und der ADAC-Test 2026

Gesetzlich sind für Winterreifen wie für alle Reifen 1,6 Millimeter Profil vorgeschrieben (§ 36 StVZO). Für Schnee und Matsch ist das zu wenig. Der ADAC rät, Winterreifen spätestens unter 4 Millimetern zu ersetzen, weil Haftung und Traktion auf Schnee dann stark nachlassen, und wir folgen dieser Grenze ohne Abstriche. Ein Winterreifen mit 3 Millimetern ist kein verbotener, aber ein schlechter Winterreifen: Die Lamellen haben ihre Tiefe weitgehend verloren, und mit ihnen die Kanten, die auf Schnee zupacken.

ProfiltiefeBedeutung
1,6 mmgesetzliches Minimum nach § 36 StVZO
4 mmEmpfehlung des ADAC und der Redaktion, in Österreich Vorgabe für Radialreifen
5 mmin Österreich Vorgabe für Diagonalreifen

Wie schwankend die Qualität ist, zeigt der ADAC-Winterreifentest 2026, veröffentlicht am 22. September. Der ADAC prüfte 32 Reifen in den Größen 185/65 R15 und 225/50 R17, je 16 Modelle. Bei den Kleinwagen gewann der Continental WinterContact TS 870 mit 2,2, vor dem Michelin Alpin 7 mit 2,5. In der Mittelklasse lag der Pirelli Cinturato Winter 3 mit 2,2 vorn, knapp vor dem Continental mit 2,3. 15 der 32 Reifen sind nicht empfehlenswert, die billigsten fielen auf Nässe oder Schnee deutlich ab.

Dazu kommt der Verschleiß. Die prognostizierte Laufleistung liegt bei Kleinwagenreifen im Schnitt bei etwa 31.000 Kilometern, ein Bridgestone-Modell erreichte nur 22.000, in der Mittelklasse sind es im Schnitt über 45.000 Kilometer. Wie viele Monate Ihrem Satz bei Ihrer Jahresfahrleistung bis zur 4-Millimeter-Marke bleiben, rechnet der Laufleistungs-Rechner aus, für Winterreifen setzen Sie dort 4 statt 3 Millimeter an. Reifen altern unabhängig vom Profil: Ab dem sechsten Jahr empfehlen wir den Check im Fachbetrieb, spätestens um das zehnte Jahr den Ersatz.

Winterräder: Felgen, Sensoren und Schneeketten

Wer zweimal im Jahr wechselt, hat zwei Möglichkeiten: Reifen auf derselben Felge umziehen oder einen zweiten Radsatz auf eigenen Felgen fahren. Wir raten zum zweiten Radsatz. Das Umziehen kostet jedes Mal Montage und Wuchten, belastet den Wulst und das Felgenhorn und bringt bei Fahrzeugen mit Reifendruck-Kontrollsystem zusätzliche Arbeit. Stahlfelgen sind für den Winter die ruhigste Lösung: Streusalz greift beschädigten Lack auf Leichtmetall an, und ein Kratzer am Felgenhorn, der bei der Montage entsteht, ist dort teurer zu beheben.

Das RDKS ist für alle seit dem 1. November 2014 neu zugelassenen Pkw Pflicht. Jeder Radsatz braucht dann eigene Sensoren, was das kostet, steht in der Tabelle weiter unten. Den Ablauf der Reifenmontage mit Ventil, Sensor und Wuchtgewichten beschreibt der Beitrag zum Service.

Schneeketten sind in Deutschland nur dort Pflicht, wo Zeichen 268 steht. Sie gehören mindestens auf die Antriebsachse, erlaubt sind mit Ketten höchstens 50 km/h. Allradantrieb ersetzt keine Winterreifen: Er beschleunigt besser, bremst aber nicht kürzer. Das gilt für den Kompakt-SUV VW Tiguan, der oft mit Allrad fährt, ebenso wie für den Kombi Skoda Octavia in der Allradversion, die Größen und Freigaben je Generation finden Sie unter Reifen für VW Tiguan und Reifen für Skoda Octavia. Prüfen Sie vor dem Kauf von Ketten im Handbuch, ob die Radhäuser sie mit Ihrer Reifengröße aufnehmen.

Wechsel und Lagerung: Termine und Kosten 2026

Der Wechsel ist die lästigste Pflicht am Winterreifen, und er ist günstiger, als sein Ruf. Ein Radwechsel auf eigenen Felgen dauert in der Werkstatt meist rund eine halbe Stunde, die Preise schwanken stark nach Region und Betrieb. Die folgenden Spannen sind Richtwerte für 2026.

LeistungRichtwert 2026
Radwechsel auf eigenen Felgen20 bis 50 Euro je Fahrzeug
Reifen ummontieren auf derselben Felge15 bis 30 Euro je Reifen
Wuchten5 bis 10 Euro je Rad
RDKS-Sensor, neu30 bis 80 Euro je Rad
RDKS anlernen20 bis 50 Euro
Einlagerung des Radsatzes30 bis 60 Euro je Saison

Termine in den Wochen nach dem ersten Frost sind knapp, viele Betriebe sind dann schon Wochen vorher ausgebucht. Wir empfehlen, den Termin für den Herbstwechsel im September zu buchen und den Satz im Frühjahr gleich zur Einlagerung zu geben, falls Keller oder Garage fehlen. Wer selbst wechselt, braucht einen Drehmomentschlüssel, die Radschrauben werden je nach Hersteller mit 110 bis 140 Nm angezogen und nach 50 bis 100 Kilometern nachgezogen.

Winterreifen im Ausland: Österreich, Schweiz, Italien

Wer im Winter in die Alpen fährt, bewegt sich durch mehrere Rechtsordnungen, und jede folgt einer eigenen Logik. Österreich arbeitet mit einem Zeitraum, die Schweiz mit der Betriebssicherheit, Italien mit den Provinzen. Die Übersicht gibt den Stand von Oktober 2026 wieder, der ÖAMTC datiert seine Angaben auf den 27. Oktober.

LandRegelZeitraumProfiltiefe
Deutschlandsituativ, nur Alpine-Symbolbei winterlicher Witterung, ganzjährig1,6 mm Pflicht, 4 mm empfohlen
Österreichsituativ, M+S und Alpine-Symbol anerkannt1. November bis 15. April4 mm Radial, 5 mm Diagonal
Schweizkeine Winterreifenpflicht, Kettenpflicht per Schildnach Wetterkeine eigene Vorgabe
Italienje Provinz, Beschilderung maßgeblichA22 bis Affi und Bozen: 15. November bis 15. April, Aostatal: 15. Oktober bis 15. Aprilregional unterschiedlich

In Österreich liegt die Strafe bei winterlichen Verhältnissen ohne passende Ausrüstung nach Angaben österreichischer Medien bei rund 100 Euro, bei Gefährdung sind theoretisch bis zu 10.000 Euro möglich, und die Haftpflichtversicherung kann bis zu 11.000 Euro vom Lenker zurückfordern. Ein Auto mit österreichischem Kennzeichen braucht in Deutschland ebenfalls das Alpine-Symbol, umgekehrt gilt in Österreich auch ein Reifen mit M+S noch als Winterreifen.

In der Schweiz gibt es keine allgemeine Pflicht. Das Straßenverkehrsgesetz verlangt einen betriebssicheren Zustand, und wer mit Sommerreifen auf Schnee den Verkehr behindert, riskiert Bußgeld und bei einem Unfall erhebliche Mithaftung. Schneeketten sind bei entsprechender Beschilderung Pflicht und müssen auf mindestens zwei Antriebsrädern montiert sein. In Italien entscheidet die Provinz über Strecken und Zeitraum, ersatzweise genügen Schneeketten an Bord, die Höchstgeschwindigkeit mit Ketten liegt bei 50 km/h.

Wir empfehlen für jede Alpenfahrt zwischen November und April Winterreifen mit Alpine-Symbol, mindestens 4 Millimeter Profil und Ketten im Kofferraum, unabhängig davon, welche Regel am Ziel gilt. Alle weiteren Saisonthemen, vom Wechsel bis zur Lagerung, bündelt der Bereich Reifen nach Saison.

Häufige Fragen

Gibt es in Deutschland eine Winterreifenpflicht von Oktober bis Ostern?

Nein. Die Pflicht ist situativ und hängt von der Witterung ab, nicht vom Kalender. Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darf ein Kraftfahrzeug nur mit Winterreifen fahren (§ 2 Abs. 3a StVO). Von Oktober bis Ostern ist eine praktische Faustregel, aber kein Rechtsbegriff.

Reichen Reifen mit M+S-Kennzeichnung noch aus?

Seit dem 1. Oktober 2024 nicht mehr. Reine M+S-Reifen, die bis Ende 2017 hergestellt wurden, durften bis zum 30. September 2024 weiter als Winterreifen laufen. Heute zählt nur noch das Alpine-Symbol, die Schneeflocke vor dem Berg. Das Herstellungsdatum finden Sie im DOT-Code auf der Flanke.

Wie hoch ist das Bußgeld, wenn ich ohne Winterreifen fahre?

Der Grundbetrag liegt bei 60 Euro und einem Punkt in Flensburg. Bei Behinderung anderer sind es 80 Euro, bei Gefährdung 100 Euro, bei einem Unfall 120 Euro. Der Halter, der die Fahrt anordnet oder zulässt, zahlt zusätzlich 75 Euro und ebenfalls einen Punkt.

Wie viel Profil müssen Winterreifen haben?

Gesetzlich gelten in Deutschland 1,6 Millimeter nach § 36 StVZO. Der ADAC rät, Winterreifen spätestens unter 4 Millimetern zu ersetzen, weil Grip auf Schnee und Matsch dann stark nachlässt. In Österreich sind für Radialreifen 4 Millimeter vorgeschrieben, für Diagonalreifen 5 Millimeter.

Gelten in Österreich, der Schweiz und Italien andere Regeln?

Ja. Österreich verlangt vom 1. November bis 15. April bei winterlichen Verhältnissen Winterreifen mit 4 Millimetern Profil. Die Schweiz kennt keine Pflicht, aber Kettenpflicht per Schild. In Italien legen die Provinzen fest, auf der A22 bis Affi und in Bozen gilt vom 15. November bis 15. April Winterausrüstung.

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